Das Feld & die Streifenanlage
Inmitten der Schorfheide befindet sich das sechs Hektar große Versuchsfeld (ca. acht Fußballfelder). Hier wollen wir mal sehen, was unser H.I.T. so kann! Entlang der Traktor-Fahrtrichtung wird der Acker in Versuchsstreifen unterteilt, auf denen wir 4 verschiedene Dünger-Varianten vergleichen:
1. NULL: Null-Variante – ohne jegliche Nährstoffzugabe
2. H.I.T.: Humusdünger aus Inhalten von Trockentoiletten
3. WDÜ: Wirtschaftsdünger (Rinderstallmist)
4. MIN: Mineraldünger aus flüssigem, konventionellem Stickstoffdünger mit Schwefelanteilen
Solide Ergebnisse bekommen wir dadurch, dass wir bei manchen Untersuchungen (Stickstoffparameter und Erntemenge je qm) pro Versuchsstreifen 5 Messpunkte per GPS ausgewiesen haben. So haben wir für jeden Streifen 5 Stichproben, also für jede Behandlung/Variante 10 Stichproben. So können wir gut die N-Düngewirkung (Stickstoff) beschreiben.
Andere Untersuchungen (Schadstoffe, Seuchenhygiene, Schwermetalle, org. Schadstoffe und alle Nährstoffe) werden als Mischprobe eines Streifens ausgewertet und geben wichtige erste Erkenntnisse zur Schadwirkung.
Gesamtstreifengröße Pilotversuch:
Null 13505 m² / 1,35 ha
WDÜ 13593 m² / 1,36 ha
HIT 13653 m² / 1,37 ha
MIN 14947 m² / 1,5 ha
Die Ernte
Was für ein Spektakel – am 3.8.2021 wurde zum ersten Mal in Deutschland Roggen geerntet, der mit Humusdünger aus Inhalten von Trockentoiletten (H.I.T.) gedüngt wurde.
Der Ertrag hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen! Gegenüber der Null-Variante zeichnet sich eine Düngewirkung ab. Wie prognostiziert liegt die chemische Düngung zwar weit vorne auf erstem Platz – aber genau da liegt das Ziel unserer Lernkurve: qualitativ hochwertiger Humusdünger, der in naher Zukunft eine greifbare Alternative zur synthetischen Nährstoffkeule bietet.
Noch wühlt sich Jan Ole durch die Daten der vergangenen Monate, um uns eine Auswertung dieses wegweisenden On-Farm-Versuchs liefern zu können. Es bleibt spannen!
DETAILS
Worum geht es?
In unserem Pilotversuch wird deutschlandweit das erste Mal H.I.T. im landwirtschaftlichen Betrieb verwendet. Wir wollen herausfinden, wie sich der Dünger auf die Pflanzen und auf den Boden auswirkt. Dazu werden jede Menge Proben genommen und Untersuchungen angestellt: vom H.I.T., vom Boden und von den Pflanzen, die dort wachsen.
Um feststellen zu können, dass die Effekte, die wir messen, tatsächlich durch den H.I.T. verursacht werden vergleichen wir auf der Fläche mehrere Düngervarianten in Versuchsstreifen. Grundsätzlich sollen zwei Dinge bewiesen werden: Die Wirksamkeit und die Unschädlichkeit.
Für den Beweis der Unschädlichkeit werden H.I.T. und Boden nach bestimmten Schadstoffen untersucht. Wir wollen am Ende genau bestimmen können, welche Auswirkungen unser Experiment verursacht. Unser Versuch findet unter realistischen Bedingungen statt- im Gegensatz zu einem Versuch unter Laborbedingungen- was bedeutet, dass der Boden unter Umständen schon vorbelastet sein kann. Damit klar getrennt werden kann, welche Belastungen durch unseren Versuch verursacht und welche Schadstoffbelastung vielleicht schon vorher vorhanden war, wird der Boden zu Beginn des Versuchs einmal gründlich voruntersucht. Das ist bei der Verwendung von bestimmten Düngern (bspw. Klärschlamm) üblich und soll unter anderem verhindern, dass sich Schwermetalle im Boden anreichern. Vor der Ausbringung auf die Fläche werden H.I.T. und Wirtschaftsdünger ebenfalls auf Schadstoffe untersucht. Als letzter Schritt wird der Boden nach der Ernte erneut auf Schadstoffe untersucht.
Für den Beweis der Wirksamkeit werden zum einen die Nährstoffe überwacht. Wir wollen wissen, wie viele Nährstoffe der H.I.T. enthält und wie diese sich im Laufe eines Anbauzyklus im Boden und in den Pflanzen verteilen. Bei unserem Feldversuch liegt hier vor allem der Stickstoff im Fokus.
PS: Stickstoff ist nach Kohlenstoff der mengenmäßig relevanteste Nährstoff und wird von den Pflanzen ausschließlich über den Boden aufgenommen- im Gegensatz zu Kohlenstoff, den sich Pflanzen aus der Luft ziehen können.
Hier überschneidet sich die Frage nach der Wirksamkeit aber auch mit der Frage der Unschädlichkeit: Wird Stickstoff nach der Düngung nicht vom Boden gehalten bzw. von den Pflanzen aufgenommen, sondern mit Regenwasser ausgewaschen und in angrenzende Ökosysteme weitertransportiert, kann er großen Schaden anrichten. Um den Stickstoff verfolgen zu können, werden zu mehreren Zeitpunkten im Anbauzyklus Pflanzen ins Labor gebracht und deren Stickstoffgehalt bestimmt.
Zum andern wird die Masse der Pflanzen untersucht, die mit dem H.I.T. gedüngt wurden. Hierfür wird zu zwei Zeitpunkten im Jahr ein Quadratmeter Fläche abgeerntet und gewogen. Nach der Ernte wird außerdem gezählt, wie viele Ähren auf einem Quadratmeter gewachsen sind, wie viele Körner eine Ähre im Durchschnitt trägt und es wird das sogenannte Tausendkorngewicht ermittelt. Zusätzlich zur reinen Masse wird im Labor der Stickstoffgehalt bestimmt.
Die Untersuchungen, die sich mit der Wirksamkeit beschäftigen sind zum einen die systematischen Bodenuntersuchungen sowie die Bodenuntersuchungen nach mineralisiertem, also pflanzenverfügbarem Stickstoff (Nmin), und zum andern die Nährstoffuntersuchung des H.I.T.. Auch die Pflanzenuntersuchungen gehen dieser Fragestellung nach. Neben der reinen Gewichtsmessung werden die Pflanzen auch auf ihren Stickstoffgehalt hin untersucht. Gemeinsam mit den Informationen der Nmin-Bodenuntersuchung kann so genau verfolgt werden, wie sich der Stickstoff, den der H.I.T. in den Boden bringt im Laufe einer Wachstumsperiode verteilt.
Im Folgenden werden die Untersuchungen in ihrer zeitlichen Abfolge noch einmal genauer erläutert (was wurde warum untersucht).
Ergebnisse
Die Feldstudien des Feldversuch 1 und 2 laufen noch und sind noch nicht ausgewertet. Ergebnisse zu diesen Studien können wir erst 2024 benennen. Ein Parzellen-Feldversuch, aus einem vorhergehenden EU-Projekt des IGZ in Großbeeren zeigt gute Ergebnisse: Humus- und Urindünger haben eine vergleichbare Wirkung mit konventionellem Biodünger Vinasse, und das Risiko zur Aufnahme von Arzneimitteln ist sehr gering. Und erhielt Presseresonanz weltweit, u.a. in frontiers, Süddeutsche und Guardian, siehe auch Pressespiegel.
Der in diesen Versuchen verwendete Dünger war einer unserer ersten Chargen produziert auf Finizo´s der Pilotanlage. Zu diesen wirklich vielversprechenden Versuchen möchten wir anmerken, dass unsere Prozess- & Qualitätssicherung sich dort erst zu entwickeln begann – daher sind wir besondres aufgeregt euch bald die neuen Ergebnisse vorstellen zu können.
Stay tuned – wir halten euch über die Details des Versuchsverlaufs auf dem Laufenden.
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